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Leben wir in einer Zeitenwende?

Leben wir in einer Zeitenwende?

Die Jusos waren schon immer aufmerksame Beobachter der politischen Entwicklungen und Ereignisse im Ausland. Das liegt mitunter daran, dass nahezu alle sozialistischen Ansätze, die wir verfolgen oder für gut befinden, langfristig nur international funktionieren können oder zumindest einen stark internationalistischen Charakter haben und auf Solidarität ohne nationale Grenzen beruhen. Leider sind die Ereignisse der letzten zwei Jahre weniger vom sozialistischen Geist, sondern vom glatten Gegenteil geprägt, nämlich von Renationalisierung und Abschottung.

Den Anfang machte letztes Jahr der „Brexit“. Zwar sahen wir mit großer Sorge, Unverständnis und zum Teil auch Fassungslosigkeit nach Großbritannien. Wir rangen nach Erklärungen, warum einfache Parolen, die sich im Nachhinein als glatte Lügen herausstellten, eine scheinbar stärkere Überzeugungskraft haben als nüchterne Fakten. Aber die wenigsten haben damals abgesehen, dass es nur der Anfang einer ganzen Serie von derartigen Ereignissen war. In der Türkei schickt sich Staatspräsident Erdogan an mit Nationalismus und feindseligen Parolen die uneingeschränkte Macht an sich zu reißen. In Österreich konnte die nächste Katastrophe dann zwar noch verhindert werden, aber der endgültige Weckruf war schließlich die Wahl von Donald Trump zum Präsidenten der Vereinigten Staaten. Erklärungsversuche gibt es zahlreiche. Ist es ein Zeitgeist, der Emotionen und Meinungen auf dieselbe Stufe anhebt wie Vernunft und Wahrheit? Oder sind die Menschen von der Globalisierung überfordert und reagieren mit Angst und Nostalgie? Wahrscheinlich ist beides dafür verantwortlich.

Für Deutschland und Europa stellt sich nun die Frage, wie auf diese Entwicklungen zu reagieren ist. Man kann nur hoffen, dass diese Entwicklungen allen Europäischen Staaten vor Augen führen, dass gemeinsame Interessen nur gemeinsam verteidigt werden können. Das ist eine Binsenweisheit, die wahrscheinlich jedem Staatschef in Europa schon über die Lippen gekommen ist. Trotzdem scheinen wir in Europa auch nicht von der Versuchung befreit zu sein, auf die Herausforderungen mit Einigeln und Abschotten zu reagieren. In Frankreich gibt es Marine Le Pen, in den Niederlanden Geert Wilders und in Deutschland Björn Höcke, um nur ein paar zu nennen. Doch eines muss uns bewusstwerden: Wenn es uns in dieser Zeit nicht gelingt der Vernunft zu folgen und ein starkes Europa zu formen, dann wird es uns nie mehr gelingen. Eine Zeitenwende muss nichts Schlechtes sein – auch die Aufklärung hat eins eine Zeitenwende eingeläutet. Man darf daran erinnern, dass die Aufklärung von Europa ausging. Uns Jusos jedenfalls eint die Hoffnung, dass Europa noch einmal ähnliches gelingt und wir nach dem „Siècle des Lumières“, dem Jahrhundert der Lichter, ein Jahrhundert der Einigung und des anhaltenden Friedens vor uns haben.

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