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der springende punkt.

Parteilos glücklich?!

Parteilos glücklich?!

Das Volksbegehren Artenvielfalt, die geplante Urheberrechtsreform der EU und „Fridays for Future“-Klimaproteste haben junge Menschen dazu bewegt auf die Straße zu gehen und zu demonstrieren. Sie sind also bereit, sich für gesellschaftliche Ziele einzusetzen. Aber warum ist es für viele junge Bürger*innen geradezu abwegig in eine Partei einzutreten und ihre Forderungen so voranzubringen?

Eine Studie über Mediennutzung und Politisierung der aktuellen Studierendengeneration* zeigt, dass viele junge Bürger*innen wenig von Parteien halten. Ihnen ist wertschätzendes und solidarisches Verhalten wichtig, sie denken aber, dass in einer Partei so nicht miteinander umgegangen wird. Sie glauben auch, dass sie eigene Wertvorstellungen der Parteilinie unterordnen müssen. Da viele junge Bürger*innen nicht ideologisch und schon gar nicht radikal sind (oder sein möchten), sondern „ihr“ politisches Programm selektiv nach Interessen und über Parteigrenzen hinweg zusammenstellen, erscheint ihnen das Konzept der Parteimitgliedschaft überholt. Sie sind allerdings nicht unpolitisch, nur setzen sich für ihre Ideale in NGOs, Vereinen und auf Demos ein.Über ihre persönlichen Interessensfelder, wie Umweltpolitik, Kultur oder Sport, sind sie sehr gut informiert. Nachrichten über das Weltgeschehen werden „überall“ und „unterwegs“ auf Smartphones gelesen. Die Generation weiß, wie komplex die Welt ist und sie erkennt an, dass es in der Politik – trotz solchen Versprechen – oft keine „einfachen“ Lösungen geben kann.

Parteien sind aber für die Umsetzung politischer Interessen das Erfolgsmodell, auch entgegen aller Individualisierungstendenzen in der Gesellschaft. In Parteien nehmen wir die Proteste „draußen“ wahr oder eben selbst daran teil. Aber Proteste müssen immer mit der Realität in Einklang gebracht, in Forderungen überführt und in Programme gegossen werden, um über sie abstimmen zu lassen und um sie schließlich umzusetzen. Denn nur so entstehen für alle geltende, bindende Entscheidungen, wie z. B. Gesetze zum Klimaschutz.

Was können wir also tun, damit mehr junge Bürger*innen die Vorteile der Parteiarbeit erkennen und uns eine Chance geben? Wir können zeigen, dass Streit um eine Sache gut ist, wir aber auch dabei solidarisch miteinander umgehen. Wir können klarmachen, dass wir keine Parteisoldat*innen suchen, sondern der politische Wille gemeinsam überhaupt erst geformt wird. Wir können zugeben, dass die Welt groß und kompliziert ist, wir als Partei aber nicht grad klein und sowieso nicht ahnungslos sind. Also zur nächsten Juso- oder OV-Sitzung einfach mal ein junges Nachwuchstalent mitnehmen und die politische Arbeit für sich sprechen lassen.

* Studie am Instituts für Medien- und Kommunikationspolitik, bei der ich unter der Projektleitung von Dr. Jasmin Siri und Dr. Lutz Hachmeister mitgearbeitet habe. „Vereinzelt, konfliktscheu, weltoffen. Studierende und Politik.“

Aus „der springend Punkt“ April 2019 von Theresa Petrausch

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