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der springende punkt.

Was uns die Hirnforschung über das Gendern verrät

Was uns die Hirnforschung über das Gendern verrät

In der letzten Sitzung unseres Feminismus-Blocks haben wir uns in den Kosmos der Sprachforschung begeben:

In der Welt haben wir für alles, was eine Bedeutung hat, einen Begriff entwickelt. Damit können wir das bezeichnen, was wir „meinen“ und es von anderem dadurch unterscheiden. Besonders interessant ist es, wenn wir feststellen, dass es in anderen Sprachen Ausdrücke gibt, für die wir dann keine Übersetzung haben. Die Schweden haben zum Beispiel das Wort mångata, das die Reflexion des Mondes auf dem Wasser beschreibt. Oder im Spanischen das Wort Sobremesa, das das Zusammensitzen, Entspannen und Reden nach einem gemeinsamen Essen bezeichnet. In anderen Sprachen gibt es wiederum keine Entsprechung für unseren Begriff „Heimat“. Diese besonderen Wörter verraten immer etwas über die Kultur und das Leben.

Sprache beeinflusst was wir wahrnehmen und woran wir uns erinnern können. Psycholog*innen und Hirnforscher*innen sind sich heute einig, dass unsere Muttersprache mit ihren Besonderheiten unser Denken lenkt.

Was sagt uns das jetzt in Bezug auf die angeblich so lästigen Formen des Genderns

Die Tatsache, dass wir im Deutschen sowohl weibliche als auch männliche Endungen haben, ist überhaupt erst der Grund für die ganze Diskussion. Es gibt eben keinen geschlechtsneutralen Ausdruck und eine für das Denken offene Bezeichnung (außer man wählt Formen wie „Studierende“…) für Personengruppen. Jede Entscheidung drückt also automatisch aus, ob denn nun Männer, Frauen oder beide beteiligt sind. Wenn wir von „dem Arzt“ reden, dann wird sich in unserem Gehirn mit einer sehr großen Wahrscheinlichkeit das Bild eines männlichen Arztes aufbauen. Das zeigt, dass man Frauen (oder andersherum Männer) eben nicht einfach „mitmeinen“ kann, ohne dass dies Auswirkungen auf die individuelle Wahrnehmung hätte.

Durch die Verwendung der männlichen Form haben wir in der Geschichte gerade die Leistungen von Frauen unsichtbar gemacht. Die „Vorkämpfer“ für gesellschaftliche Veränderungen oder die „Gegner der Diktatur“ sind dann in unserer Erinnerung nun Mal Männer. Hinzu kommt, dass die Geschichtsschreibung traditionell patriarchalisch geprägt war. Dies beides macht es für uns heute besonders schwer, rückwirkend die geschichtliche Bedeutung von Frauen herauszustellen. Da gibt es Nachholbedarf.

Das es auch zahlreiche große (Erfolgs-)Geschichten von Frauen gibt, wissen viele nicht. Ein Buch von Elena Favilli und Francesca Cavallo (nicht nur für Kinder) mit dem Titel „Good Night Stories for Rebel Girls“ schafft es, die besonderen Leistungen von 100 Frauen in Kurzgeschichten darzustellen, an die wir uns heute sonst nicht erinnern würden.

Für uns Jusos ist es wichtig, dass wir es besser machen als in der Vergangenheit: Wir wollen, dass die Kämpfe und Erfolge von Frauen und Männern in Zukunft gleichermaßen sichtbar sind. Wir werden Frauen in unserer Sprache weiterhin kenntlich machen, wenn wir von ihnen sprechen. Ob mit *, I oder anders, ist dabei erstmal egal. Die Abschlusssitzung zum Feminismus-Block war also insgesamt recht theoretisch, hat aber dabei den Kern unseres Kampfes für Gleichberechtigung getroffen.

Es grüßen überzeugte Feminist*innen!

Aus „Der springende Punkt“ Dezember 2019 – von Theresa Petrausch

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