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der springende punkt.

Diskriminierung ist Alltag, Diskriminierung ist Macht – auch hier.

Diskriminierung ist Alltag, Diskriminierung ist Macht – auch hier.

Viele Mitglieder sind in unserer Partei eingetreten, um sich auch politisch dem Kampf gegen Rechts und Diskriminierung zu verschreiben.

Die aktuellen Ereignisse rund um den gewaltsamen Tod von George Floyd und das, wieder einmal, ins Gedächtnis gerufene brutale Ausmaß der institutionellen Polizeigewalt löst auch hier bei uns Wut, Entsetzten und den Drang zur Gegenreaktion aus.

Dabei kann man das Problem der Diskriminierung und des Hasses sicherlich nicht nur auf die Polizei allein zurückführen, auch wenn Gewalt und Ungerechtigkeiten durch staatlich ermächtigte und bewaffnete Institutionen eine schwerwiegendere Dimension des Misstrauens, Angst und der Wut schaffen. Wenn für die Bürger*innen vom Staat selbst die Gefahr ausgeht, und er subjektiv betrachtet nicht seine Aufgabe erfüllt, uns Einzelne vor Eingriffen Dritter oder vor Eingriffen von uns selbst zu schützen, wofür geben wir diesem Staat überhaupt Befugnisse?

Doch neben dieser, zugegeben deprimierenden Frage, ist vielmehr anzuerkennen, dass Polizist*innen, wenn man es runterbricht, auch nur Mitbürger*innen sind, die zu einer von vielen Gruppen gehören, welche besondere Machtbefugnisse haben. Leider verdeutlicht dies aber vor allem zwei Gedanken. Zum ersten, dass Diskriminierung in jeder(!) und in der breiten Gesellschaft stark verbreitet und verwurzelt ist. Zum zweiten, dass wohl viele Individuen in unserer Gesellschaft mit Erlangung von (hypothetischen) Machtbefugnissen zur Diskriminierung neigen würden, und nicht mit „Macht“ umgehen können.

Entsprechend lernt man als POC (Person of Color) und/oder Mensch mit erkennbarem Migrationshintergrund schon früh von Kindheit an, bestimmte Situationen und Verhalten zu vermeiden, bezüglich welchen sich andere Privilegierte keinerlei Gedanken machen müssen. Die Diskriminierungen, die diese Menschen erleiden, sind eine lebenslange ungerechte Bürde, die in unterschiedlicher Intensität zu unterschiedlichen Zeitpunkten des Lebens auftreten und nur eine Gewissheit mit sich bringen, dass diese wohl nie aufhören werden.

Aus diesem Gesamtkontext ist die breite Beteiligung verschiedenster Menschen an den Unruhen und Demonstrationen zu sehen: Verständlich für Menschen, deren politisches und moralisches Denken solcher Diskriminierung widerstrebt.

Notwendig für Menschen, die selbst wegen ihrer Hautfarbe, ihrem Geschlecht, ihrer sexuellen Orientierung, ihrer Religion, oder wegen ihrem Aussehen, gar wegen ihrem Verhalten benachteiligt werden.

Bemerkenswert für Menschen, die selbst nicht betroffen sind, sich aber über ihre Privilegien bewusst wurden und sich mit ihren Mitmenschen solidarisieren.

Das ist alles sehr wichtig, es darf jedoch nicht nur bei der Solidarität bleiben. Jede*r von uns muss sich Gedanken machen, wie er Diskriminierungen im Alltag verpönt, aber eben auch aktiv verhindern kann.

Blickt euch um, Diskriminierung ist zu jeder Zeit überall – Der Kampf geht weiter!

PS: Ich habe bewusst nicht das Wort „Rasse“ oder „Rassenunruhen“ verwendet, weil ich diese pseudo-biologische, geschichtlich-politisch falsche Terminologie ablehne. Insoweit bin ich absolut dafür, das Wort „Ras-se“ in Art. 3 III GG zu streichen und durch ein neutrales Wort (z.B. „Aussehen“) zu ersetzten. Dies wäre auch schon eine erste echte und gute politische Konsequenz aus der aktuellen Situation.

 

Aus „Der springende Punkt“ Juli 2020 – von Anil Altun

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